Leseprobe

Worum es in diesem Buch geht

Kapitel 1 · 1.101 Wörter · 6 Minuten

Ratgeberbücher zum Umgang mit KI gibt es im Überfluss. Manche der Ratschläge, die Sie dort finden, sind aber schon veraltet, bevor Sie die Gelegenheit haben, sie auszuprobieren. Wer versucht, mit jedem Update Schritt zu halten, rennt einem fahrenden Zug hinterher. Dieses Buch funktioniert anders: Es will kein tagesaktuelles Detailwissen vermitteln, sondern ein Gefühl dafür „wie KIs ticken“.

Ziel ist es, Ihnen ein solides Grundverständnis zu vermitteln, wie moderne KI-Chatbots funktionieren, welche Stärken und welche Schwächen sie haben und wie Sie am besten damit umgehen können. Und, wenn ich hier das Wort „funktionieren“ verwende, meine ich in erster Linie nicht die technischen und mathematischen Grundlagen. Auch dazu gibt es ein paar Erklärungen. Die stehen aber nicht im Mittelpunkt. Es geht um ein „gut fundiertes Bauchgefühl“. Das hat eine viel längere Mindesthaltbarkeit als jeder heiße Tipp und jeder Wunderprompt.

Und ganz nebenbei erfahren Sie auch noch einiges darüber, wie wir Menschen selbst denken und die Welt wahrnehmen.

Für wen ist dieses Buch gedacht?

Für alle, die KI nutzen und verstehen wollen, was sie da eigentlich tun. Es geht darum, einschätzen zu können, wofür man KIs guten Gewissens einsetzen kann und wann man sie besser nicht oder nur mit bestimmten Vorsichtsmaßnahmen benutzt. Das ist selbstverständlich im Berufsleben wichtig — insbesondere für Entscheider:innen — aber genauso auch im Privatleben. Es ist keine gute Idee, sich immer und kritiklos auf KIs zu verlassen.

Für wen ist es nicht gedacht?

Wenn Sie ein Handbuch zu ChatGPT, Gemini, Copilot, Claude oder einem anderen Chatbot suchen, sind Sie hier falsch. Das hier ist auch kein technisches Lehrbuch über die Arbeitsweise der neuesten KI-Modelle, eine Anleitung zum Programmieren mit KI oder ein Ratgeber für den Aufbau komplexer Netzwerke von „KI-Agenten“. Auch fertige Sammlungen von Prompt-Rezepten zum Abtippen werden Sie hier nicht finden. All das gibt es anderswo — und was ich von Wunderprompts und starren Regelwerken halte, können Sie im Vorwort nachlesen.

Was Sie mitnehmen werden?

Wenn Sie dieses Buch gelesen haben, können Sie

  • grundsätzlich verstehen, wie KIs funktionieren — und mitreden, wenn es darum geht, was hinter den Schlagzeilen wirklich steckt, was diese Technologie kann und wo ihre Grenzen liegen.

  • die Gefahr von „Halluzinationen“ in KI-generierten Texten einschätzen und solche Halluzinationen von einer KI beseitigen lassen;

  • eine KI dazu bringen, Ihnen zu widersprechen und Schwächen zu benennen, statt Ihnen nach dem Mund zu reden;

  • die typischen Denkfehler, Vorurteile und die sture Selbstsicherheit von KIs vorhersehen und gezielt umgehen;

  • Aufgaben im Dialog mit einer KI bearbeiten, statt auf den perfekten Einmal-Prompt zu hoffen;

  • einschätzen, was eine KI tatsächlich „gelesen“ und behalten hat — und dafür sorgen, dass Wichtiges nicht übersehen wird;

  • komplexe, langwierige Aufgaben an KI-Agenten „delegieren“ — und beurteilen, welche Aufgaben dieser Art delegiert werden können;

  • als Verantwortliche:r beurteilen, wo und wie sich KI in Ihrer Organisation sinnvoll einsetzen lässt und welche Leitplanken es dafür braucht;

Im Zentrum steht dabei immer die Metapher, die auch zum Titel dieses Buches geworden ist: KIs sind auch nur Menschen — nicht als Tatsachenbehauptung, sondern als Metapher, als Eselsbrücke. KIs fehlt vieles von dem, was uns Menschen ausmacht. Mit vielen ihrer Schwächen kann man aber einfacher umgehen, wenn man ein Gefühl für die Parallelen zu menschlichen Verhaltensmustern hat.

Dieses Buch vermittelt mehr als eine Sammlung praktischer Tipps, Regeln und Kniffe. Indem es das Verhalten von KIs mit den Mustern des menschlichen Denkens erklärt, hält es Ihnen unweigerlich auch einen Spiegel vor. Sie werden die Maschinen besser verstehen — und dabei einiges über die Eigenarten des eigenen Denkens erfahren. Denn der Gedanke „KIs sind auch nur Menschen“ verrät am Ende fast so viel über uns wie über die Technik.


Hier eine kurze Übersicht der Inhalte in den folgenden Kapiteln:

  • Kapitel 2 ist ein behutsamer Einstieg in die Thematik mit zwei prägnanten Beispielen für „Denkschwächen“, die sowohl bei Menschen als auch ganz ähnlich bei KIs vorkommen.

  • Kapitel 3 stellt die wichtigsten technischen Grundlagen allgemeinverständlich dar: Prompts und Responses, neuronale Netze, maschinelles Lernen, usw.

  • Kapitel 4 und 5 beleuchten die schwerwiegendsten Schwächen von KIs — „Halluzinationen“ und Schmeichelei — wie es dazu kommt und wie man das (teilweise) vermeiden kann.

  • Kapitel 6 erklärt die psychologischen und neurowissenschaftlichen Mechanismen hinter menschlichen Denkfehlern, aufbauend auf den Arbeiten von Tversky und Kahneman.

  • Kapitel 7 dreht sich um Vorurteile, vorgefasste Überzeugungen und zu frühe Festlegungen bei Menschen und KIs.

  • Kapitel 8 zeigt, wie man KIs zum „Nachdenken“ bringt — im Gegensatz zur spontanen Antwort aus dem Bauch heraus.

  • Kapitel 9 greift das Thema Führung auf: nicht nur Fragen stellen, sondern mit einer KI gemeinsam an Aufgaben arbeiten.

  • Kapitel 10 und 11 behandeln Gedächtnis und Wahrnehmung — gerade hier treffen Erwartungen, die wir Menschen gegenüber „normaler Software“ haben, nämlich nicht zu.

  • Kapitel 12 schließt das Buch mit der „Königsdisziplin“ beim Umgang mit KIs ab: der Delegation langwieriger komplexer Aufgaben.


Zum Abschluss noch ein paar praktische Hinweise zum Umgang mit dem Buch:

Sie müssen das Buch nicht zwingend von vorn nach hinten lesen. Die meisten Kapitel funktionieren eigenständig. Nur an einigen Stellen hilft es, vorher Kapitel 3 und 6 gelesen zu haben.

Am Ende der meisten Kapitel finden Sie ein paar „Takeaways“, eine Auflistung der wichtigsten Punkte, die Sie aus dem jeweiligen Kapitel mitnehmen sollten. Es lohnt sich wirklich, die noch einmal durchzulesen, bevor Sie zum nächsten Kapitel gehen.

Fachausdrücke erkläre ich meist zusammen mit der ersten Verwendung im Text. Wenn Sie sich daran nicht mehr erinnern, können Sie kurze Erläuterungen der meisten Fachausdrücke aber auch im Glossar am Ende des Buches finden.

In einigen Kapiteln mache ich Gebrauch von Fußnoten. Fußnoten sind immer „Bonus“. Sie müssen die nicht lesen, um dem Haupttext folgen zu können. Oft geht es hier um „Quellen“ für das im Haupttext Geschriebene plus Anregungen für weitere, eigene Recherchen.

Der vielleicht wichtigste Tipp zuletzt: Dort, wo ich konkrete Beispiele für den Umgang mit KIs beschreibe, sind diese nicht speziell für ein Modell gedacht, sondern funktionieren so oder so ähnlich in jedem der großen KI-Chatbots. Auf Ihrem Bildschirm mag es manchmal etwas anders aussehen als in den Screenshots im Buch.

Damit aber genug der einleitenden Worte.